

4.Troma-Nacht
am Freitag, den 05.07. um 20:30 Uhr im Kino Babylon
Bereits
in unseren seligen Anfangszeiten sangen wir im BALI das Hohelied des
schlechten Geschmacks, und heuer kehren wir zu den fauligen Wurzeln
zurück und tromatisieren uns, bis die Synapsen brutzeln und der
Hüfthalter platzt. Auch 2024 soll jegliche Ästhetik und
Erbaulichkeit zur Hölle gejagt werden…
Mitten
im berüchtigten New Yorker Hell´s Kitchen District gründeten Lloyd
Kaufman und Michael Herz im Jahr 1974 die
Independent-Filmproduktionsfirma TROMA ENTERTAINMENT und
spezialisierten sich zunächst auf preisgünstig heruntergekurbelte
Sex-Klamotten. Diese Marktstrategie änderte sich erst, als TROMA
1976 die Vermarktung des Underground-Splattermovies BLOODSUCKING
FREAKS in die Hände nahm. Die Kritik reagierte auf den Film
hysterisch und verdammte ihn als sadistisches, gewaltverherrlichendes
und frauenfeindliches Machwerk. Den (zugegebenermaßen pechschwarzen
und nicht unbedingt geschmacksicheren) Humor und die latente
Gesellschaftskritik wollte niemand wahrnehmen. Die geschäftstüchtigen
Jungs von TROMA jedoch witterten Morgenluft. Künftig würde man sich
auf Filme konzentrieren, „die meist eine möglichst grafische
Darstellung von Gewalt, verbunden mit Horror-Elementen und derbem
Humor zum Thema haben“ (Wikipedia).
Im
ersten Film des Abends wird der beschauliche Forst zum Saustall, wenn
paramilitärische Rednecks sich für „Freiheit und Frieden“
einsetzen, in Wahrheit aber vor allem arglose Spaziergänger und
Pilzsammler kaltmachen. Die schlimmste Troma-Produktion aller Zeiten
oder der beste Film der Welt? Entscheiden Sie selbst, bestellen Sie
aber vorsichtshalber noch einen doppelten Magenbitter.
„Die
Brüller hageln im Sekundentakt auf den hilflos darniederliegenden
Zuschauer herab, die unterbelichtete Inszenierung, die
minderbemittelten Darsteller und die zweifelhaften Production Values
vereinigen sich zu einem einmaligen Manifest der Dusseligkeit, das
aber ein ordentliches Tempo mitbringt und sich nur wenig Durchhänger
erlaubt.“
--- Oliver Nöding
Weiter
geht’s dann frisch und frei nach dem Motto „Oma Pervers“! Aber
bevor jetzt vor Freude der Herzschrittmacher klappert und die blauen
Pillen schaufelweise geschluckt werden: nein, wir zeigen leider keine
gerontophilen Ferkelfilmchen. Stattdessen sehen wir eine belgische
Splätter-Komödie aus dem Jahre 1988, die von TROMA aufgekauft und
vermarktet wurde. Ein kleiner Film über die Freuden des Altwerdens!
Mit 66 Jahren, da wird’s erst richtig toll, das wusste schon Udo
Jürgens – manchmal sogar tollWÜTIG! Wem die ewigen Wiederholungen
von Heinz Rühmann-Klamotten im Altenstift zu langweilig geworden
sind, der schiebt flugs den Rollator ins Kino Babylon in der Pelmke
und lernt dort, wo Großmutti den Most zapft.
„Der
Film verfügt über eine gelungene Figurenzeichnung, den Mut zu
Albernheiten und das trotz dieser Umstände unaufdringliche
Vorhandensein von Tiefsinn durch treffsichere Gesellschaftskritik.“
--- Schlombie
Die auf dieser Netzpräsenz veröffentlichten Filmbesprechungen haben rein
filmjournalistische Bedeutung. Das verwendete Bildmaterial dient nicht zu Werbezwecken,
sondern ausschließlich zur filmhistorischen Dokumentation.