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BOHACHI BUSHIDO – CODE OF THE FORGOTTEN EIGHT

("Porno jidai-geki: Bô hachi bushidô", Japan 1973) R: Teruo Ishii

Der gewissenlose Ronin Asu Shino (mit langer Matte: Tetsurô Tanba) ist der Staatsfeind Nr.1 in der Tokugawa-Ära und wird von Hundertschaften von Gesetzeshütern gejagt. Des schnöden Daseins müde, springt er während eines Kampfes einfach von einer Brücke in den darunter fließenden Fluss ("Nach dem Tod wartet die Hölle, aber auch das Leben ist die Hölle – es gibt also keinen Unterschied.") Zu seinem Pech wid er jedoch von den Angehörgen eines besonders verkommenen Yakuza-Clans, den "Bohachi Bushido", gerettet. Der Boss des Clans erteilt Shino den Auftrag, alle seine Gegner und Feinde auszumerzen. Aber er spielt ein doppeltes Spiel. Er hat keineswegs vor, Shino den versprochenen Lohn zu zahlen...
BOHACHI BUSHIDO
Ich bin in der vergangenen Zeit in den Genuss etlicher ungewöhnlicher Pinky Violence-Filmjuwelen aus Japan gekommen, und jedes Mal dachte ich, noch wilder und abgefahrener geht es nicht mehr. Aber BOHACHI BUSHIDO setzt restlos allem die Krone auf!
Bereits während des Vorspanns werden wir Zeuge eines Massakers sondergleichen: In knallig orange Farben getaucht, kämpft Shino auf einer Brücke gegen ein gutes Dutzend Samurai – während die Schriftzeichen im Freeze-Frame das Bild füllen, fliegen Arme, Beine, Ohren und Köpfe durch die Gegend und Blutfontänen spritzen meterhoch durch die Luft.
Als Shino nach seinem Sprung wieder zu sich kommt, liegt er nackt auf einer Matratze und wird von drei ebenso nackten Frauen durchgeknetet und beleckt, was er mit stoischer Ruhe hinnimmt. "Für einen kalten Leib ist das heiße Fleisch der Frauen die beste Medizin", schnurrt eine der Konkubinen ihm ins Ohr.
Während die Weibsbilder sehnsüchtig darauf warten, daß Shino "hart wird", erklärt der danebenstehende General der Yakuza-Truppe, Kesazo Shirakubi (Goro Ibuki), ihm wo Bartel den Most holt: Bohachi Bushido ist der "Clan der vergessenen Acht" – damit sind unterschiedliche humane Tugenden wie Ehre, Moral, Dankbarkeit, Skrupel etc. gemeint. Die einzigen akzeptierten Wege, um zum Ziel zu kommen sind Sex und Gewalt, besonders in Kombination. "We are beasts dressed in human skin", erläutert Shirakubi. Shino wird dann auch als erstes in den geräumigen Folterkeller des Hauses geführt, wo nackte Frauen in den fantasievollsten Martermaschinen stecken und Behandlungen unterzogen werden. "They get tortured and constantly fucked by many men to become dolls." Weia...
Shino fühlt sich in diesem Haufen pudelwohl. "When I see you, I see myself", meint er zufrieden.
Als nächstes bekommt Shino den traditionellen Bohachi-Dress, ein Gewand mit drei Schriftzeichen auf dem Rücken, deren Bedeutung ihm stolz erklärt wird: "Missionarstellung", "Anale Vergewaltigung" und "Die devote Haltung der Frau nach gewaltsamem Sex". Außerdem überreicht man ihm das legendäre Schwert Onibocho, was übersetzt bedeutet: "Des Satans Küchenmesser". Er muss eine Schale Sake kippen und auf den Kodex des "Daruma Dakase" schwören – Übersetzung: fesseln & ficken!
Auch wenn es sich so anhören mag: Ich sauge mir das alles echt nicht aus den Fingern! Das passiert wirklich! Ich kann mich auch nicht entsinnen, Drogen genommen zu haben, bevor ich den Film einschob, obwohl das gewiss hilfreich gewesen wäre...
Was nun folgt, ist eine endlose Orgie an Sex und Gewalt, getaucht in schrille Farben und untermalt mit schräger Musik. Die Schwertkämpfe und Foltereien gehören zum Derbsten, was mir je auf die Leinwand gekommen ist. Der knallrote Lebenssaft spritzt bei jedem Schwerthieb wie Geysire aus den Wunden, Schädel werden gespalten, Gliedmaßen segeln in Zeitlupe durchs Bild. Zwischendurch wird sattsam gefesselt & gefickt, ganz wie der Kodex es verlangt. Jede Frau verliert binnen weniger Sekunden nach ihrem Auftauchen ihre Kleider und läuft fürderhin nackt durch die Gegend. Ich habe noch nie einen Film gesehen, in dem es so viele Möpse zu bestaunen gibt – zumindest außerhalb eines Russ Meyer-Films, und obwohl die Brüste hier natürlich nicht so groß sind, hat Ishii bei der Auswahl seiner Aktricen auf pralle Rundungen Wert gelegt. Jedenfalls sind in BOHACHI BUSHIDO mit Abstand die schönsten Darstellerinnen des japanischen Exploitationfilms der 70er vereint.
Heidewitzka, dieser Streifen ist wahrlich harter Tobak. Essentieller auf den Punkt gebracht war Exploitation nie.
Was die Angelegenheit aus dem Sumpf artverwandter Produkte hervorhebt, ist die durch und durch künstlerische Machart. Die Bilder sind stets absolut ästhetisch, jede Kameraeinstellung ist ein Gemälde. Ishii arbeitet mit Farbfiltern, psychedelischen Verfremdungseffekten und allerlei optischen Tricks.
Der Film basiert übrigens auf dem gleichnamigen Manga von Kazuo Koike, der auch für die LONE WOLF- und LADY SNOWBLOOD-Vorlagen zuständig war.
Allerdings gibt es auch Wermutstropfen zu schlucken. Perfekt ist BOHACHI BUSHIDO beileibe nicht: dafür ist die Handlung einfach zu dünn und das Drehbuch zu fahrig. Der stets verlässliche Tesurô Tanba (der japanische Henry Silva!) spielt seinen Shino mit unverändert eisernem Antlitz. Das Finale drückt noch mal mächtig auf die Tube, dann endet der Film einfach ohne befriedigende Auflösung – was möglicherweise daran liegt, daß noch im selben Jahr eine Fortsetzung gedreht wurde, die es leider nicht auf DVD gibt.
Trotzdem hat man es hier mit einem Reißer der härtesten Gangart zu tun, den man nicht unbedingt auf dem Teenachmittag des örtlichen Frauenkreises vorführen sollte.
Teruo Ishii ist mit Abstand der durchgeknallteste unter den japanischen Filmemachern der wilden 70er. Bis jetzt hat kein Film des fleißigen Genre-Regisseurs mich enttäuscht, sei es die TOKUGAWA-Reihe, die Yakuza-Swordplay-Horror-Mixtur BLIND WOMAN´S CURSE mit Meiko Kaji, der ultraderbe Karatekracher THE EXECUTIONER mit Sonny Chiba, der bizarre HORRORS OF MALFORMED MEN oder die SEX & FURY-Fortsetzung FEMALE YAKUZA TALE.
Die schön gestaltete Ami-DVD stammt aus dem Hause Discotek und präsentiert sich in unglaublich brillanter Bild- und Tonqualität. An Extras wird ein Interview mit Darstellerin Yuriki Hishimi (u.a. FRANKENSTEINS HÖLLENBRUT) geboten, eine der wenigen starken Frauenrollen des Films (obwohl auch sie ständig nackig ist). Außerdem bekommen wir ein lustiges Gespräch mit dem Buchautoren und Pinky Violence-Experten Taro Sugisaku zu sehen, einem dicklichen Nerd, der inmitten seiner chaotischen Wohnung auf einem braunen Sofa hockt und Kette raucht.
Zudem hören wir einen Audiokommentar mit Sugisaku und Takao Nakano, dem Regisseur von Filmen wie KILLER PUSSY und SEXUAL PARASITE. Obendrein gibt es noch seitenweise Auszüge aus dem Original-Manga von Kazuo Koike.
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